Vom Fischer und seiner Frau

Märchen der Brüder Grimm
Für Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab 6 Jahren

Spieldauer: ca. 70 Minuten
Abendfüllend mit Pause
1½ Std.
Kurzfassungen von 50 und 60 Minuten

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Vom Fischer und seiner Frau

Pressestimmen

Märchen

Märchen in sechs Behausungen und sieben Meeresstimmungen:
Pißpott- kleine Hütte- Schloß- Königs-, Kaiser- und Papstpalast

Die Kernpunkte der Inszenierung

-die psychologischen Verflechtungen des Paares. Auf den ersten Blick scheint der Fischer der gutmütige, brave Mann und seine Frau Ilsebill das böse, gierige Weib zu sein. Doch bald wird klar, der Fischer, der eigentlich immer nur seine Ruhe haben möchte und Veränderungen fürchtet, der einen erschreckenden Mangel an Phantasie und Einfühlungs- vermögen an den Tag legt, ist mitverantwortlich für Ilsebills nicht zu befriedigende Gier und Unzufriedenheit.

-die Dynamik der Wünsche: Erst will Ilsebill nur eine kleine Hütte haben, ein verständlicher Wunsch, denn in den Pißpott regnet es hinein, es stinkt in ihm und ist eklig. Es folgt ein Schloß und dann die Steigerung ins groteske Übermaß: König, Kaiser und Papst, bishin zum wahnsinnigen Wunsch werden zu wollen wie der liebe Gott, der den Sturz zurück in den Pißpott zur Folge hat.
-die Dynamik der Zeit: ist Ilsebill in der kleinen Hütte noch zwei Wochen zufrieden, wird sie schließlich an einem Tag König, Kaiser und Papst.
-die Dynamik der Zerstörung: in sieben Stufen wird das anfangs klare Meer mit jedem Wunsch schmutziger, stin- kender und wilder. Zuletzt ein Weltuntergangsszenario mit schwarzen kirchturmhohen Wogen und bebenden Bergen.

-und dies alles einfühlsam und humorvoll ohne moralischen Zeigefinger darzustellen, erkennend, daß ein Stück von Ilsebills Maßlosigkeit und der Angst des Fischers vor Veränderung in jedem Menschen steckt.

 

Technik

Vom Fischer und seiner Frau wird vom Theater der Dämmerung als Schattentheater auf 2 Leinwänden mit ca. 60cm großen beweglichen Scherenschnittfiguren aufgeführt. Die in der Höhe verstellbare Bühne (3m breit, 2m tief, Mindestraumhöhe 2m15) bietet in bis zu 25m langen Räumen bis zu 300 Zuschauern ein stimmungsvolles Theater- erlebnis. Wir erzählen den hochdeutschen Originaltext- musikalisch untermalt- “live” mit Mikrofonverstärkung.

 

Bühnenbilder und Figuren: Roland-Karl-Metzger, Künstler aus Stuttgart

 

Das trunkene Lied

Ilsebill ist Papst. Nun kann sie doch nichts Mächtigeres mehr werden?! Aber sie bleibt unzufrieden. Es ist Nacht. Neben ihr schläft ihr Mann. Nun erklingt Friedrich Nietzsches Gedicht Das trunkene Lied. Es ist das letzte Atemholen vor dem Orkan, eine Mahnung, ein Fingerzeig auf den tieferen Sinn von Unzufriedenheit und Leiden.

O Mensch! Gib acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht?
“Ich schlief, ich schlief-,
Aus tiefem Traum bin ich erwacht:-
Die Welt ist tief,
Und tiefer als der Tag gedacht.
Tief ist ihr Weh-,
Lust- tiefer noch als Herzeleid:
Weh spricht: Vergeh!
Doch alle Lust will Ewigkeit-,
-will tiefe, tiefe Ewigkeit!”

Um dem Märchen auch einen positiven Ausblick zu geben -das Ende, beide sind wieder im Pißpott, ist doch gar zu traurig, haben wir dieses Gedicht von Friedrich Nietzsche in die Papst-Szene eingebettet!

 

Interpretation

Der Butt: Haben und Sein

Die ersten Zeilen der Erzählung lassen den Fischer nicht gerade als einen Ausbund von Tatkraft und Verantwortlichkeit erscheinen. Ein statisches Leben wird uns vor Augen geführt, geprägt von immer gleichen Abläufen. Der Fischer kann seiner Frau nur einen Pißpott bieten. Da ist es doch verständlich, daß Ilsebill zu Hause die Decke auf den Kopf fällt, daß sie von seiner “unendlichen Genügsamkeit” und Ruhe auf die Palme getrieben wird. In dieser Situation taucht ein “Dritter” auf: Der Butt, ein verwunschener Prinz, verkörpert das ungelebte Leben der Eheleute. Aus der Zweierbeziehung wird eine Dreierbeziehung, und das bisher eingespielte Gleichgewicht gerät völlig aus den Fugen. Während der Fischer, der wohl schon lange seine Wünsche und Sehnsüchte verdrängt hat, den Butt schnell wieder loswerden möchte, spricht Ilsebill auf die Verheißung an.

Nicht weil er seine Frau liebt übermittelt der Fischer dem Butt Ilsebills Wünsche, sondern weil er seine Ruhe haben möchte. “Was soll ich denn da noch hingehen,” mault er. Er zeigt keinerlei Verständnis für ihre Wünsche. Ja, beim Butt beschwert er sich über sie: ”Meine Frau de Ilsebill, will nicht so als ich wohl will.” So ist seine Selbstlosigkeit in Wahr- heit ein Mangel an eigenständigem Ich. Seine Wunscherfüllung enthält immer eine Mißbilligung eben dieses Wunsches: “Was du immer willst!” So kann Ilsebill nicht glücklich werden! Ihr tiefster Wunsch und ihr dringendstes Bedürfnis, als Person angenommen, wertgeschätzt und geliebt zu werden, wird ihr von ihrem Mann verweigert.

Doch Ilsebill übersieht diesen Punkt. Ihre Unzufriedenheit, die stets bleibt, verführt sie zu meinen, sie hätte nicht genug bekommen. Was sie auf der Beziehungsebene vermißt, verschiebt sie nach außen: die Hütte ist plötzlich zu klein... Sie ersetzt also das “Sein” durch “Haben”, Qualität durch Quantität. Aber “Mehr-Haben” führt nicht zu “Mehr-Sein”, darum steigert sich ihr Haben-Wollen in immer absurdere Dimensionen. Der verzauberte Prinz, der im Butt auf Erlösung wartet, wird völlig mißinterpretiert: Nicht als Repräsentant einer neuen Qualität des Lebens nach der die Seele drängt, sondern als Erfüller immer groteskerer Wünsche. .