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Der goldene Vogel Märchen der Brüder
Grimm |
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Inhalt Es war vor Zeiten ein König, der hatte einen schönen Lustgarten hinter seinem Schloß; darin stand ein Baum, der goldene Äpfel trug. Als die Äpfel reiften,wurden sie gezählt, aber gleich den nächsten Morgen fehlte einer. Da befahl der König, daß der älteste seiner drei Söhne unter dem Baum Wache halten solle. Der schlief aber ein, und am nächsten Morgen fehlte wieder ein Apfel. Dem zweiten Sohn erging es nicht besser. Nun kam die Reihe zu wachen an den dritten Sohn. Doch der König dachte: “Es ist vergeblich. Der wird noch weniger ausrichten als seine Brüder. Es fehlt ihm am Besten.” Doch siehe da! Der jüngste Königssohn bleibt wach. Um Mitternacht sieht er im Mondschein einen Vogel daherfliegen, dessen Gefieder ganz von Gold glänzte. Am anderen Tag macht sich der älteste Königssohn auf die Suche nach diesem goldenen Vogel. Am Waldrand begegnet er dem Fuchs, der ihm den Rat erteilt, in dem Dorf, in welches er bald kommen werde, ja nicht in das hellerleutete Wirtshaus einzukehren, sondern in das einfache. Aber der älteste Königssohn mißachtet den guten Rat und ging in das lustige ein, lebte da in Saus und Braus und vergaß den goldenen Vogel, seinen Vater und alle guten Lehren. Dem zweiten Königssohn ergeht es nicht besser. Erst der jüngste hört auf den Fuchs, der ihm fortan bei seiner Suche nach dem goldenen Vogel, dem goldenen Pferd und schließlich der goldenen Jungfrau beisteht. Nach bestandenen Prüfungen kommt er auf dem Heimweg wieder durch das Dorf mit den zwei Wirtshäusern. Seine beiden Brüder, die allerhand schlimme Streiche verübt und all ihr Geld und Gut vertan hatten, sollen eben aufgehängt werden. Entgegen dem Ratschlag des Fuchses kauft er sie vom Galgen frei. Sie danken es ihm, indem sie ihn kurze Zeit später in einen Brunnen werfen. Dem Vater aber sagen sie: "Da bringen wir dir nicht bloß den goldenen Vogel, wir haben auch das goldene Pferd und die Jungfrau vom goldenen Schlosse erbeutet." Aber auch in dieser Not verläßt der treue Fuchs den jüngsten Königssohn nicht... Interpretation Als ein goldener Vogel wurde in den ägyptischen Mythen die Seele des Menschen dargestellt. So ist auch das Märchen vom goldenen Vogel- stark verwandt mit dem russischen Feuervogel- mehr als nur eine spannende Geschichte voller Abenteuer. Die Suche nach dem goldenen Vogel ist die Suche nach der eigenen Seele. Der Fuchs symbolisiert unsere innere Stimme. Entscheidend ist nicht, daß wir immer nach ihr handeln, wir dürfen auch irren, sondern daß wir mit ihr in Verbindung bleiben. Um die goldene Jungfrau zu gewinnen, muß der Königssohn einen gewaltigen Berg abtragen. Bergehoch scheint die Aufgabe, der Geliebten würdig zu werden. Am Ende sitzt man da wie resigniert; da kann man sich anstrengen wie man will, nie ist man groß genug, um in den Augen des anderen hinreichend gut und liebenswert zu sein. Vielleicht ist es das Schwierigste im Leben, das Vertrauen des "Fuchses" zu lernen: man muß, um geliebt zu werden, nichts mehr "machen". In den Augen des/der Geliebten ist man längst schon gut genug, so wie man ist. |
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